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Peter Wegner / Heinz Henseler  (Hrsg.)  

 

Psychoanalysen, die ihre Zeit brauchen

Zwölf klinische Darstellungen   

 

 

4. Auflage bei Brandes & Apsel erschienen!

Der Sinn dieses Buches ist es, die therapeutische Effektivität langdauernder analytischer Psychotherapien an einer größeren Zahl von Fallbeispielen zu demonstrieren. Das scheint gelungen. Die ausführlichen Behandlungsverläufe sind klinisch aufschlussreich, berührend, und für den interessierten Leser nachvollziehbar. Es werden unterschiedlich seelisch kranke Patienten und ihre Entwicklung im Behandlungsverlauf dargestellt. Auch ihre Psychoanalytiker unterscheiden sich in ihrer Art zu verstehen, zu deuten, emphatisch zu sein und sich vom jeweiligen Patienten verwickeln zu lassen. Alle verbindet die Überzeugung, dass genügend Zeit nötig ist, um sich selber zu erfahren, Verstehen annehmen zu können und im eigenen Takt Veränderungen zu wagen. Die Entfaltung dieser bis in die früheste Kindheit zurückreichenden neurotischen Entwicklungen, ihre Ursachen und die damit verbundenen seelischen Schmerzen sind teilweise schwer zu ertragen. Genauso wie das notwendige und mühsame sich einlassen von Patient und Psychoanalytiker auf das durchlaufen der Abfolge von »Wiederholen, Erinnern und Durcharbeiten«. Insofern dokumentieren die zwölf klinischen Darstellungen die psychoanalytische Arbeit, wie sie täglich passiert.

Der geneigte Leser wird gleichzeitig feststellen, wie faszinierend es ist, dem Wechselspiel von Symptomen bzw. Charakterstrukturen und dem Funktionieren von Widerstand, Deutung und Einsicht folgen zu dürfen. Er wird aber auch von der Vielfältigkeit seelischer Erkrankungen und ihrem ursprünglichen Selbstheilungscharakter überrascht sein. Psychische Symptome sind primär nicht nur Zeichen von Krankheit, sondern enthalten im Kern den Versuch einen inneren seelischen Konflikt zu überwinden. Deshalb bedeutet für Analysanden das Aufgeben einer Symptomatik zuerst einen gefährlichen Verlust, weil sie sich das Scheitern eines Selbstheilungsversuches eingestehen müssen. Psychoanalytiker begegnen ihren Patienten und Patientinnen deshalb mit großem Respekt. Erfordert es doch einen hohen Leidensdruck und Mut, sich mit dem Unbewussten gegen heftige Widerstände zu beschäftigen und für sich selber und die soziale Umgebung Verantwortung zu übernehmen. Die zwölf klinischen Darstellungen belegen auch, wie die psychoanalytische Behandlungsmethode das Humane sichert und Schutz vor Selbstdestruktivität entfaltet. Dabei geht es immer, wenn ein verstehender Gedanke im therapeutischen Prozess implementiert werden kann, um die Einheit von Körper und Seele.